Wieder hielt eine RB13 der Erfurter Bahn außerplanmäßig in Gutenfürst. Ebenso erfreulich wie symbolträchtig, gerade am Tag der Deutschen Einheit.
Das ehemalige Deutsch-Deutsche Grenzgebiet ist zwar nicht mehr die scharf bewachte Trennstelle zwischen West- und Ostdeutschland, aber im sächsischen Vogtland sind die Züge fast so schwer für Besucher und Bewohner erreichbar, wie zu Zeiten der DDR. Freilich kann man heute ungehindert (ein Auto vorausgesetzt) nach Feilitzsch oder Schönberg fahren, um in den Genuss des 2-h-Taktes der RB13 (Hof – Leipzig) zu kommen. Aber auf den Bahnsteigen von Gutenfürst, Reuth und Grobau, also in unmittelbarer Nähe zu Bayern und Thüringen, kann man den Zügen nur hinterherschauen, weil sie dort nicht halten. Ganze 23 km umfasst die Halte-Lücke zwischen Schönberg(Vogtl) und Feilitzsch und sorgt dafür, dass drei Bahnhöfe nicht systematisch an den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) angebunden sind. Damit ist die Gemeinde Weischlitz (als flächenmäßig größte Gemeinde des Vogtlandkreises) fast ausschließlich Transitgebiet für die vielen Züge auf der wichtigen Sachsen-Franken-Magistrale zwischen Nürnberg und Dresden.
Dies ist seit Jahren ein ÄRGERNISS für Bürgerinnen und Bürger, für Firmen, Gastronomie, Tourismus und natürlich auch für die Gemeinde Weischlitz. Doch die Verantwortlichen im Verkehrssektor und der Politik schaffen es bisher nicht einmal den Mindestbedienstandard des Nahverkehrsplanes umzusetzen.
Respekt! Was Verantwortliche und Politik in Jahren nicht geschafft haben, erledigt die Erfurter Bahn in ein paar Minuten.
Ein einziger Mitarbeiter der Kundenhotline hat es möglich gemacht. Die RB 13 hielt außerplanmäßig in Gutenfürst um die Folgen von Verspätungen/Anschlussverlust abzumildern. Neben vielen weiteren Aufgaben, die einem Mitarbeiter an der Kundenhotline der Erfurter Bahn sicherlich gut auslasten, hat er den zusätzlichen Halt geprüft und organisiert, dass heißt mit allen Beteiligten Kontakt aufgenommen beantragt und informiert.
Wie kam es zu dem außerplanmäßigen Halt?
Zwei Reisende auf dem Weg von Kiel nach Gutenfürst hatten die Hin- und Rückreise gut geplant. Während die Hinreise am Mittwoch mit einem der wenigen Zügen ab Gutenfürst möglich war, musste für die Rückfahrt am Freitag (Feiertag) in die „Trickkiste“ gegriffen werden. Denn am Tag der Deutschen Einheit ist Gutenfürst, wie auch an allen anderen Samstagen, Sonntagen und Feiertagen NUR MIT EINEM ZUG und auch recht spät entweder aus Richtung Plauen oder Hof ERREICHBAR. Deshalb wurde ein HOFER LANDBUS von Feilitzsch nach Föhrig frühzeitig bestellt und auf gutes Wetter für den knapp 4 km langen Fußweg über das Grüne Band nach Gutenfürst gehofft. Das schöne Wetter stellte sich dann am Feiertag ein, was vielleicht auch dazu beigetragen hat, dass (nicht nur zwischen Göttingen und Gera) das Reisendenaufkommen explodiert ist. Dementsprechend hat das Ein- und Aussteigen an vielen Haltestellen deutlich länger gedauert, als im Fahrplan vorgesehen. So baute sich Richtung Gera die Verspätung immer weiter auf. Vermutlich das gleiche Problem hatte auch der Zug der Gegenrichtung, was dann zu einem Aufschaukeln der Verspätung auf der teils eingleisigen Strecke geführt hat. Zwischen Erfurt und Gera gelang es dem Zugpersonal der DB Regio AG in Verbindung mit „Grüner Welle“ in den Bahnhöfen und auf der Strecke einige Verspätungsminuten abzubauen. Trotzdem wurde die RB13 Richtung Hof in Gera verpasst. Damit war ein Zwangsaufenthalt von knapp 2 Stunden in Gera unumgänglich. Doch zwei Stunden Verspätung war für die beiden Reisenden noch nicht das größte Problem, denn es war zunächst unklar, wie sie von Feilitzsch ins ca. 11 km entfernte Gutenfürst kommen sollen. Der bestellte Hofer Landbus wird nicht erreich und musste deshalb storniert werden und später war kein Fahrzeug mehr verfügbar, weil der Hofer Landbus gut nachgefragt wird. Das vom Landkreis Hof angebotene System zur Nahverkehrsgrundversorgung kann für Fahrten täglich zwischen 6 und 23 Uhr angefragt werden. Es gelten die Fahrkarten des Verbundes, also auch z. B. das Deutschland-Ticket.
Doch diese Option stand den beiden Reisenden nicht zur Verfügung. Es blieben nur sehr unattraktive Möglichkeiten. 10 km statt 4 km Fußweg (mit Gepäck), Taxi für 11 km vermutlich mit Anfahrtskosten von rund 50 € oder das Warten auf den einen Zug, der in Gutenfürst hält, was die Verspätung auf über 6 Stunden erhöht hätte – für die letzten 11 unnötigen km einer 451 km langen Reise!.
Das Problem wurde dem freundlichen Mitarbeiter der ErfurterBahn-Kundenhotline erläutert mit der Bitte eines außerplanmäßigen Haltes. Wie die Geschichtte endet ist bereits bekannt, übrigens mit einer Ankunftsverspätung an der Haustüre mit nur noch 30 Minuten von zwischenzeitlich 120 Minuten. TOP Erfurter Bahn!
Es stellt sich die Frage, warum es nicht gelingt so etwas einfaches und Selbstverständliches – nämlich das Halten von Zügen zum Ein- und Aussteigen – auch im Gemeindegebiet von Weischlitz in den Fahrplan zu integrieren?
Die Antwort auf diese Frage bleibt der ZVV/VVV bisher schuldig. An der fehlenden Zeit im Fahrplan für zusätzliche Halte kann es offensichtlich nicht liegen. Denn die RB13 hat zwischen Mehltheuer und Hof genau die gleiche Fahrzeit (von 30 Minuten), wie die RB 2, die an alllen Unterwegsbahnhöfen hält.
Dies bestätigt die Verspätungsanzeige im DB Navigator vom Tag der Deutschen Einheit. Der außerplanmäßige Halt in Gutenfürst hat zu keiner zusätzlichen Verspätung geführt. Die RB13 mit Halt in Gutenfürst hatte in Feilitzsch bei der Ankunft die gleiche Verspätung von 6 Minuten, wie in Schönberg. Und in Hof war die RB13 nur noch 4 Minuten verspätet, was auf erheblichen Spielraum für weitere Halte hindeutet.




