Was würde 100% Mindestbedienung im Vogtlandkreis kosten?

46 von 49 Bahnhaltepunkten werden bereits mindestens im 2-Stunden-Takt bedient. Täglich. Auf manchen Strecken gibt es auch einen Stundentakt, zumindest Mo-Fr. Und einige Halte werden durch die Überlappung von mehreren Linien noch deutlich häufiger bedient.

Im Nahverkehrsplan ist der 2-Stunden-Takt als Mindeststandard festgeschrieben. Dennoch gibt es drei Bahnhaltepunkte, die teilweise nur von einen einzigen Zug je Richtung und Tag bedient werden.

Reuth, Grobau und Gütenfürst.

Das sind ein bisschen mehr als 6% der Zugangspunkte zum Schienenpersonennahverkehr (SPNV) im Vogtlandkreis. Demnach haben derzeit nur etwa 94% der SPNV-Zugangsstellen den Mindestbedienstandard.

Die fehlenden 6% liegen auch noch in einer einzigen Gemeinde und direkt hintereinander, so dass dadurch eine ca. 23 km lange Erschließungslücke ohne Mindestbedienung existiert.

Es ist immer wieder zu hören, dass die Kosten für die Halte ein Grund ist, warum diese Lücke besteht und bestehen bleiben muss:

rund 70.000 € pro Jahr sind einfach zu hohe Kosten, die durch das Halten der Züge entstehen (zur Finanzierung des Haltepunktes).

Was hierbei gerne verschwiegen wird:

Die Argumentation mit den zu hohen Kosten ist also nicht fair, erst recht nicht, weil es sich hierbei um öffentlich finanzierte Daseinsvorsorge handelt. Für 46 Stationen scheint Geld vorhanden zu sein und für die letzten drei soll es angeblich nicht mehr reichen?

Die exakten Kosten je Zughalt sind in der Stationspreisliste SPNV und SPFV 2026 der DB InfraGO AG veröffentlicht.

3,38 € kostet inzwischen ein Zughalt in der niedrigsten Kategorie 7, zu der Gutenfürst, Grobau und Reuth gehören. Wenn dort also alle Züge der RB 13 (14/Tag) halten könnten, würden jährlich zusätzliche Stationsentgelte in Höhe von 51.815,40 € anfallen (Stand 2026). Dies wären die zusätzlichen Kosten für die Mindestbedienung, weil ja die eigentliche Zugfahrt bereits finanziert ist.

Selbstverständlich ist das eine stolze Summe, aber wer fragt in anderen Bereichen wie viel es kostet? Z. B. Versorgung mit Wasser, Strom und Internet oder die Abfallentsorgung. Diese Leistungen sind selbstverständlich und nicht wegzudiskutieren. Auch das Halten von Zügen in Bahnhöfen ist selbstverständlich, denn nur so können Reisende Ein- und Aussteigen und nur so erfüllt der Bahnhof seine Funktion der Erschließung.

Bei 46 Stationen fallen gleiche oder höhere Kosten an (je nach Kategorie) und es gibt auch einige Stationen, die ebenso wenige Einsteiger haben, wie an den drei Stationen (bevor das Angebot reduziert wurde). Deshalb ist ein „Sparen“ nur in einer Gemeinde einseitig und ungerecht.

Das Gutachten zum ÖPNV Vogtland offenbart, in welcher Höhe (zumeist) Steuergelder für die Versorgung mit ÖPNV und im Speziellen auch mit SPNV jährlich in etwa investiert werden:

36.498.000 € also fast 36,5 Millionen Euro

Nun könnte man daraus schließen, dass dieser Betrag notwendig ist, um 94% Mindestbedienung im Vogtlandkreis zu erreichen. Würde es gelingen, die Züge der RB 13 in Reuth, Grobau und Gutenfürst halten zu lassen, wären 100% Mindestbedienung erreicht. Und das mit – und in dieser Relation muss man von NUR sprechen- NUR 51.815,40 €! Das sind etwa nur 0,1% des SPNV-Budgets, dass entweder erhöht oder anders priorisiert werden müsste. Seit dem Gutachten sind vermutlich die Kosten, aber auch das Budget weiter gestiegen, so dass der exakte Wert vermutlich noch geringer ist.

Quellangaben:

[1] Berechnungsbasis: zusätzliche Kosten für 14 zusätzliche Halte täglich (3,38 € pro Halt) und Anzahl Stationen ZVV (49) aus Stationspreisliste SPNV und SPFV 2026  | Jahresbudget für den SPNV im VVV (36.498.000 €)  aus dem Gutachten zum ÖPNV Vogtland (Seite 14 Abbildung 6: Finanzierungsstruktur des ZVV)

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